Prospekt

Landschaft, die der Mensch sich selbst überlässt

Rundes Jubiläum: Seit 25 Jahren Naturschutzgebiete im Welzheimer Wald / Bannwälder und lichte Kiefernwälder

Waiblinger Kreiszeitung vom 16.09.2000            

Ein rundes Jubiläum: Gleich vier Naturschutzgebiete waren im Jahr 1975 vom Regierungspräsidium Stuttgart im Rems-Murr-Kreis ausgewiesen worden. Zwei liegen auf Kaisersbacher und Welzheimer Markung, die anderen auf den Markungen Plüderhausen und Rudersberg.

Das Bekannteste unter ihnen ist der Bannwald "Steinhäusle" bei Kaisersbach. Ein stilles Dasein führt das Bannwaldgebiet "Schmalenberg" oberhalb der Wieslauftal schlucht, das nur randlich von Wegen berührt wird. Liebhabern (und leider auch Frevlern) von Orchideen wohlbekannt sind.

Mit solchen Schildern werden die Bannwaldgebiete erläutert. Das Naturschutzgebiet Schmalenberg wurde bereits vor 25 Jahren ausgewiesen.

Bannwälder, also Waldgebiete, in denen jegliche forstliche Nutzung ruht, gibt es in Baden-Württemberg seit nunmehr fast neunzig Jahren. 1911 hatte die frühere württembergische Forstdirektion am Wildsee im Nordschwarzwald das erste Bannwaldgebiet eingerichtet. Richtungsweisend wurde die Ausweisung von Waldschutzgebieten (neben Bannwäldern auch Schonwälder) aber erst im Europäischen Naturschutzjahr 1970. Bannwälder sind die Urwälder von morgen. Die Bäume sterben "aufrecht" eines natürlichen Todes, und der Verzicht auf die Holznutzung hat zur Folge, dass sich Baumleichen und bizarre Baumgestalten zu einer urtümlichen Waldlandschaft anreichern. Heute gibt es in Baden-Württemberg 84 Bannwaldgebiete mit zusammen 4677 Hektar.

Das 20 Hektar große Naturschutzgebiet "Steinhäusle" hat seinen Namen von den felsigen, steilen Klingen und eindrucksvollen Auswaschungen im Sandstein ("Grotten"). Der von Natur aus hier vorkommende Wald ist ein Buchen-Tannen-Wald. Aufgrund der vielfältigen Standorte - von luftfeuchten Klingen bis zu trockenen, sandigen Hangpartien - ist der Pflanzenreichtum enorm. Besonders artenreich sind hier Farne und Moose, zum Beispiel Bergfarn, Lappen-Schildfarn, Schuppen-Wurmfarn, Peitschenmoos, Etagen- und Rotstengelmoos. Besonders reichhaltig ist auch die Pilzflora im "Steinhäusle". Fachleute registrierten 347 Großpilze, von denen die meisten auf Holz gedeihen. Nicht zu übersehen ist der Rotrandige Baumschwamm, der kräftig an umgekipptem Totholz wächst und mehrere Dezimeter groß werden kann.

Der Pflanzenreichtum im Naturschutzgebiet "Steinhäusle" ist enorm. Noch eine andere wissenschaftliche Bedeutung erlangte das Naturschutzgebiet "Steinhäusle". An den Tannen wurden Mitte der 1970er Jahre die Phänomene des "Waldsterbens" zuerst erkannt. Der vom Menschen kaum beeinflusste Bannwald bot sich dabei besonders gut zum Studium an. Politiker und Journalisten aus ganz Europa besuchten damals das Gebiet, um sich ein Bild vom Baumsterben zu machen.

Von ganz anderem Charakter sind die nur wenige Hektar großen Naturschutzgebiete "Jägerhölzle" unweit der ehemaligen Burg Waldenstein und die Waldkuppe des "Roten Burrens" beim Plüderwiesenhof. Wertbestimmend für beide Gebiete sind die trockenen, lichten Kiefernwälder, die mit Wacholder durchmischt sind und in denen Pfeifengras und seltene Orchideen heimisch sind, darunter Weiße Waldhyazinthe, Mücken-Handwurz und Purpur-Knabenkraut. Der floristische Reichtum der beiden kleinen Naturschutzgebiete ist für das Keuperbergland besonders bemerkenswert. Ein Pflegeplan der Bezirksstelle für Naturschutz und Landschaftspflege Stuttgart und gezielte Pflegearbeiten tragen zum Erhalt der seltenen Flora bei. Durch regelmäßiges Auslichten der Kiefernbestände wird erreicht, dass deren Unterwuchs aus wärme- und lichtbedürftigen Pflanzen auf Dauer erhalten bleibt.
Kieferbestände werden regelmäßig ausgelichtet, dass genügend Sonne durchkommt.

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