Miese Holzpreise - Käfer bleibt gefährlich

Forstdirektor Wolfgang Häberle gibt einen Überblick über die Lage im Land und im Welzheimer Wald (Fotos: eigen)

Welzheimer Zeitung vom Dienstag, 28. Dezember 2004

Welzheim/Alfdorf. Der Patient Wald liegt nach wie vor krank im Bett. Klimaveränderungen und Luftbelastung machen ihm schwer zu schaffen. Hinzu kommt der Borkenkäfer, der im Schwäbisch-Fränkischen Wald besonders stark ist. Forstdirektor Wolfgang Häberle gibt einen Überblick.

Das Jahr 2004 war bis zur Jahresmitte im Vergleich zum langjährigen Mittel wieder zu trocken und zu warm. Erst seit Juli normalisieren sich die Niederschläge langsam wieder. Das Jahr reiht sich bezüglich der erhöhten Temperaturen in den seit 1953 zu beobachtenden Trend ein. Für den Wald verläuft diese Entwicklung weiterhin ungünstig. Eine besondere Hypothek stellt immer noch das extrem heiße Trockenjahr 2003 dar, in dem 30 Prozent zu wenig Niederschläge gefallen sind

Wald bei Bruck (Alfdorf)
Klimawandel -
In den letzten 140 Jahren hat die durchschnittliche Jahrestemperatur um 0,6 bis 0,8 Grad Celsius zugenommen, wobei die Hälfte des Temperaturanstiegs in den letzten 30 Jahren verzeichnete wurde. Dieser Wandel dokumentiert sich auf verschiedene Weise: Gletscherrückgang in den Alpen, immer früherer Austrieb der Bäume, verbunden mit zunehmender Spätfrostgefahr, verändertes Verhalten der Zugvögel und Ausbreitung und Vermehrung von Schädlingen. Die Ursachen sind zu zwei Drittel durch menschlichen Einfluss und zu einem Drittel durch natürliche Prozesse bedingt. Vor allem sind die Treibhausgase (Kohlendioxid) schuld. Sie haben in den letzten 140 Jahren jährlich um ein bis zwei Prozent zugenommen und inzwischen eine Konzentration erreicht, die in den letzten 450 000 Jahren zu keinem Zeitpunkt aufgetreten ist.

Sommer werden trockener - Die Niederschläge haben in den letzten 30 Jahren um zehn Prozent zugenommen. Im Frühjahr betrug der Anstieg 30 Prozent, im Sommer ist eine Abnahme von 20 Prozent festgestellt worden. Für Süddeutschland erwarten Modellrechnungen bis 2030 einen Niederschlagsrückgang um 15 Prozent bei einem überdurchschnittlichen Temperaturanstieg. Die Sommer sollen laut Vorhersage immer trockener werden, wobei „Jahrhundertereignisse" wie Hochwasser und Sturmschäden immer häufiger und intensiver auftreten werden.

Alter Forst bei KaisersbachWaldschäden - Seit Beginn der Terrestrischen Waldinventur im Jahr 1983 ist 2004 das Jahr mit den bislang höchsten Waldschäden: Über 40 Prozent der Waldfläche weisen Nadel- oder Blattverluste von über 25 Prozent auf !

Borkenkäferschäden - Im Land Baden-Württemberg beträgt der Anfall an Dürre- und Käferschäden derzeit rund 2,8 Millionen Festmeter (fm). Schwerpunkte sind der Schwäbisch-Fränkische Wald und das Oberland sowie der Südschwarzwald. Im Forstbezirk Welzheim sind fast 20 000 fm mehr als 2001, dem bisher schlimmsten Käferjahr, zu verzeichnen. Es sind somit die höchsten Käfer- und Dürrholzanfälle nach dem 2. Weltkrieg. Im Stadtwald Welzheim sind dieses Jahr 986 fm Käferholz angefallen, also die Hälfte des Einschlags.

Holzlager bei UrbachHolzeinschlag und Holzabsatz - Der Käferholzabsatz lief zu gedrückten Preisen gut. Im Stadtwald Welzheim sollen im nächsten Jahr 1900 Festmeter eingeschlagen werden. Diese Zahl ist der Marktlage angepasst. Der neue, zehnjährige Hiebsatz der Forsteinrichtung wird im Frühjahr 2005 festgelegt und vermutlich höher ausfallen als bisher. Im Gemeindewald von Alfdorf werden laut Planung 1460 Festmeter Holz eingeschlagen. Diese Zahl orientiert sich am bisherigen Hiebsatz.

Kulturmaßnahmen - Erstmals seit längerem sind in Welzheim wieder Pflanzungen vorgesehen. Auf Käferlücken sollen 400 Buchen, 50 Stieleichen und 1100 Bergahorn gesetzt werden. Im Forstbezirk Alfdorf sollen 300 Bergahorn und 100 Kirschen gepflanzt werden. Außerdem sind zwei Hektar Jungbestandspflege eingeplant.

Waldrechnung - Seit dem Jahr 2003 ist im Welzheimer Stadtwald kein Überschuss mehr erwirtschaftet worden. Im vergangenen Jahr entstand ein geringes Defizit von knapp 1000 Euro (unter Einbeziehung der Jagderlöse und von Fördergeldern). 2004 werden etwa 3000 Euro erwartet; 2005 ist ein geringer Überschuss von 3175 Euro angepeilt. Häberle: „Leider können wir bei den miesen Holzpreisen nicht mehr erwarten." In Alfdorf sieht die Situation etwas freundlicher aus, wenngleich nicht berauschend: Den Einnahmen von 97 700 Euro stehen Ausgaben in Höhe von 92 700 Euro gegenüber. Macht, unter dem Strich, einen Gewinn von 5 000 Euro.

Ausblick - Die Borkenkäfergefahr ist für 2005 wieder groß. Mit Belebung der Konjunktur könnte unter Umständen der Markt für Fichte/ Tanne-Stammholz wieder etwas aufnahmefähiger werden.Beim Buchenstammholz sind die Absatzmöglichkeiten praktisch null. Schuld daran ist das verschlechterte Exportgeschäft mit China und die allgemeine Konjunkturschwäche. Dafür ist Eichenholz sehr gut abzusetzen. Brennholz ist sehr gut gefragt, hat das Forstamt festgestellt.
Link zur Schutzgemeinschaft Deutscher Wald e.V.

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