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Bootsfahrt in alter Zeit

Konrad JeldenAm 7./ 8. Juli 2001 feierte der Ebnisee-Verein sein 50-jähriges Bestehen.  Konrad Jelden, Vorsitzender des Vereins, blickt aus diesem Anlass auf die Geschichte des Schwäbischen Waldes und des Ebnisees zurück.

 

Adolf Walcher“Meine Liebe zum Schwäbischen Wald begann an einem trüben Wintertag des Jahres 1977.  Nach einem schwierigen Bauleitverfahren saß ich mit dem Kaisersbacher Bürgermeister Walcher in einer heimeligen Wirtschaft. Und dies war der Beginn einer langen Freundschaft, einem Großvater-Vater-Sohn-Enkel-Verhältnis, über viele Jahre der beruflichen Begegnung.

Der Kaisersbacher Bürgermeister Adolf Walcher im Jahre 1983

Wir saßen oft im "Löwen" in Mönchhof, am Kachelofen. Und die alte Frau Hofmann stellte vor uns das Viertele hin, das auf dem Mönchhof "Hofmann-Tropfen" heißt.  Dazu den Hefezopf, und dann begann die Reise in die Geschichte des Schwäbischen Waldes. Und ich habe viele Stunden, Tage müsste ich sagen, mit Herrn Walcher verbracht und zugehört. Und als er im Juli 1994 starb, hat er mir als persönliches Vermächtnis zwei Dinge mitgegeben: einmal das große Jubiläumsfest am Ebnisee und zweitens einen für mich großen Schatz, seine historischen Unterlagen über die Geschichte der Flößerei am Ebnisee und darüber hinaus Geschichten über den Schwäbischen Wald.

Beginnen möchte ich mit der Landschaft.  Wenn wir etwa im 8. Jahrhundert n. Chr. einen Ausflug in den Schwäbischen Wald unternommen hätten, dann hätten wir uns mit Beil und Machete durch einen Urwald schlagen müssen.  Der Schwäbische Wald war ein Wald, wie wir ihn heute drüben im Steinhäusle, einen Steinwurf weit weg vom Mönchhof, auf dem Weg zum Treibsee wieder entdecken.

Der Bannwald im Steinhäusle mit der "Großen Platte", einem Stück Meeresboden, etwa 180 Millionen Jahre alt, führt uns ganz weit zurück in die Ursprünge des Schwäbischen Waldes, so wie es hier einmal aussah. Wild, undurchdringlich - es müssen damals schon einige Menschen hier gelebt haben, die im Einklang mit dem Wald lebten, sich arrangieren mussten, mit den unwirtlichen Verhältnissen hier.  Der Wald hatte damals noch ein anderes Gesicht - viel mehr Laubstrukturen als jetzt.

Etwa im 11./12. Jahrhundert begannen die ersten Rodungsarbeiten. Und Rodung bedeutete gleichzeitig Besiedlung. Und wo haben sich die Menschen im Schwäbischen Wald niedergelassen?  Entweder war es im Bereich der Schluchten - da war man geschützt.  Oder aber auf der Liashochfläche zwischen Welzheim und Kaisersbach, an Aichstrut vorbei.

Die Menschen lebten äußerst karg von der Weidewirtschaft.  Sie mussten sich vom Angebauten ernähren.  Bis ins Mittelalter hinein - vor allem in der Zeit des 30-jährigen Krieges - hielten sich in sehr dichten Wäldern einzelne Rodungsinseln, die bis heute auch eine besondere theologische Bedeutung haben.  Die Menschen in diesem Raum waren immer - vielleicht wegen ihrer Abgeschiedenheit - offen für Esoterisches, für Geheimnisvolles.  Drüben in Rotenmad, wenn Sie von Althütte Richtung Ebni fahren, biegen Sie nach links ab.  Rotenmad, diese kleine Siedlung ist errichtet im Stile eines germanischen Thing. Die Häuser sind um einen runden Platz gruppiert. Bewohnt wird der Rotenmad von einer konservativen, protestantischen Gemeinschaft.

Die Entwicklung des Schwäbischen Waldes ging recht behutsam weiter, es gab nie spektakuläre Schritte. Man lebte vom Holz und auch von der Glasbläserei.  Cronhütte, Ziegelhütte, Althütte, alles Bezeichnungen, die auf Glashütten hinweisen, die etwa im 16. Jahrhundert entstanden sind. Im Schwäbischen Wald sind ungefähr 21 Glashütten nachzuweisen, bis hin in die Murrhardter Gegend. Wir sind hier im Bereich des Stubensandsteins, und die Rohstoffe waren Holz und Sand, die beiden Erwerbsquellen, mit denen die Leute versuchten, sich einigermaßen über Wasser zu halten.  Die Glasbläserei bedeutete für den Wald weiteren Kahlschlag. Zum Herstellen von Glas wurde viel Holz verfeuert.

Dann besann man sich im 17./18. Jahrhundert darauf, dass es so nicht weitergehen könne.  Die Laubbäume waren ziemlich abgehauen, und so begann man wieder mit der Aufforstung, diesmal in erster Linie mit Nadelhölzern. Wer den Schwäbischen Wald heute durchwandert, trifft im Kern des Waldes sehr viel Nadelholz, das relativ rasch aufwuchs.  Und wenn man sich vor Augen hält, dass der Rems-Murr-Kreis, ein Landkreis von etwa 860 Quadratkilometer, einen Anteil von 300 Quadratkilometer Wald hat, erkennt man, welchen Schatz dieser Landkreis besitzt.  Und die Gemeinde Kaisersbach, eine Flächengemeinde mit etwa 2 800 Hektar, besteht zu etwa 1 300 Hektar aus Wald.

Der Blick geht nun hinein mitten in das 18. Jahrhundert.  Es begann die Geschichte der Flößerei im Schwäbischen Wald.  Am Anfang stand ein herzogliches Dekret aus dem Jahre 1715.  Damals erließ Herzog Eberhard Ludwig an den herzoglichen Forstmeister von Gaisberg folgendes Dekret: In Stuttgart und Ludwigsburg würde Holz, viel mehr Holz benötigt.  Im Schwäbischen Wald gebe es genügend Holz, deshalb solle abgeholzt werden.  Und wie das Holz nach Stuttgart gebracht werde, das sei das Problem der Forstleute.  Anbieten würde sich ja die Rems.  Und so begannen die ersten Versuche der Remsflößerei.  Da die Wälder rechts und links der Rems auch nicht so richtig groß waren, ging der Blick der herzoglichen Verwaltung hinauf in den Welzheimer Wald.  Es erging unter dem berühmten Herzog Carl Eugen, manchen vertraut aus der Geschichte - er hatte eine der berühmtesten Mätressen, Franziska von Hohenheim, er war der Vater der Hohen-Karls-Schule, der große Gegenspieler Schubarts, der kritische Förderer von Schiller - 1744 ein Dekret, es müsse ein Stausee errichtet werden.  Ihm ginge das Holz zu langsam von den Höhen des Schwäbischen Waldes herunter.  So begann die Geschichte des Ebnisees.

Der Ebnisee ist ein Treibsee, ein Stausee. Er war nie ein richtiger See, er war vor  dem Anstauen immer eine Wiese.  Gausmannsweiler SägmühleEs gab zwar unten in Richtung Gausmannsweiler, am Weg Richtung Laufenmühle, eine kleine Sägemühle.  Dort war ein kleiner Stausee, der aber nicht ausreichte um  das Holz ins Tal zu transportieren.  Und so wurde das Auge auf die großen Wiesen  weiter oben wieslaufaufwärts geworfen,  dort sollte ein Damm gebaut werden. Den Auftrag bekam einer der berühmtesten Dammbauer der damaligen Zeit, Lorenz Braxmaier, er kam aus dem Schwarzwald. 1745 war der Damm fertiggestellt und 1746 (vor 250 Jahren) wurde der Ebnisee erstmals als Stausee benützt, als Floßsee in Richtung Rems. Der Treibsee im Bannwald Steinhäusle diente der Flößerei auf der Lein.

1746 sind die ersten Scheiter also vom Ebnisee hinuntergeflößt worden.  Ich sage Scheiter - es gab keine Längholzflößerei. so wie Sie es vielleicht heute von einer Floßfahrt auf der Isar kennen.  Nein, hier waren es 1,20 m lange Scheiter, die hat man unterhalb des jetzigen Dammes an einer Einwurfstelle (sogenannte Riese) hineingeworfen - dann wurde der Schieber geöffnet und mit der Wasserkraft hinunter nach Schorndorf, dann in die Rems.  Und alle 50 Meter standen sogenannte Stiefelknechte.  Das waren Leute mit hohen Stiefeln, damit sie nicht nass wurden und sie hatten lange Stangen in der Hand und sorgten dafür, dass die Hölzer ständig in Bewegung blieben und hinunterdrifteten.  Die Stiefelknechte hatten auch eine andere Aufgabe.  Sie mussten nämlich auch dafür sorgen, dass nicht ständig Holz gestohlen wurde. Der Scheiterholzdiebstahl war damals einer der aktuellsten Kriminalitätsformen.  Man fand immer wieder Depots - würde man heute sagen.  Früher wurde einfach ein Loch gegraben und das Holz versteckt.  Denn auch die Leute hier oben brauchten Holz und die Scheiter waren schon geschlagen, man brauchte nichts mehr zu machen, außer sie aus dem Wasser zu fischen.

Wenn die Floßperiode anstand, war jedermann gefordert.  Geflößt wurde immer im März/April.  Der Stau des Ebnisees begann im Oktober, im März war er voll.  Und dann begann 6 Tage lang totaler "Flößereistress".  Alle Männlein und Weiblein waren gefordert.  Und es mischte auch die Kirche mit.  Der Chronist notierte: "Es war im Jahr 1755.  War das Floßwetter danach, musste es ausgenützt werden, ob werktags oder sonntags.  Pfarrer Maier von Welzheim wollte 1755 sich dagegen auflehnen, dass auch sonntags geflößt wird und verbot deshalb den Leuten, sonntags weiterzuarbeiten.“ Der Bericht lautete weiter:

„Der Flöß hatte am Dienstag. seinen Anfang genommen, er musste wegen des eingetretenen Regens fortgesetzt werden, auch wegen sonst unnötig verursachter Kosten und auch wegen der weiten Wege der Teilnehmer.  Der Pfarrer hatte Samstagnacht gegen 24 Uhr durch den Mesner das Flößen verbieten lassen.  Es wurde jedoch fortgesetzt.  Der Pfarrer Maier hat vom Konsistorium einen Verweis bekommen, er habe sich nicht in solche Geschäfte einzumischen, die er nicht entscheiden könne.  Er solle Anzeige erstatten, wo der Sabbat mutwillig geschändet werde, aber die Floßgeschäfte künftig nicht behindern.“ Das war ein klares Wort in Richtung Kirche, die Finger von der Flößerei zu lassen.

Aber auch die Schulmeister hatten es damals unglaublich schwer.  Und so erzählt ein Protokoll des Kirchenkonvents Kaisersbach vom April 1844: "Ludwig Hinderer vom Täle, der heute beim Floß ist und nicht erschienen ist, erhält wegen Schulversäumnisses seiner 2 Kinder 1 Gulden Geldstrafe.  Die, weil er kein Geld hat, in 12 Stunden Arrest umgewandelt wird.

Harte, drakonische Strafen.  Der Hinderer hat seine Kinder mitgenommen zum Flößen und die haben rnitaufgepasst, dass das Holz zu Tal kam.  Die Anwohner an der Wieslauf, vor allem am oberen Teil der Wieslauf unterhalb des Ebnisees, waren mit dem Staudammbau nicht sehr einverstanden gewesen.  Sie haben im Laufe der Jahrzehnte alles Mögliche getan, um das Flößen zu verhindern. Die Floßknechte zertrampelten nämlich die Äcker, teilweise musste die Wieslauf durch Lorenz Braxmaier auch begradigt werden. Dies hatte zum schnellen Durchfluss geführt und die Landwirte konnten keine Fische mehr fangen, weil die Forellen zu schnell das Tal hinuntergetrieben wurden.

Rechtsgeschichtlich hochinteressant entwickelte sich vor dem damaligen Gemeindegericht in Rudersberg ein Schadenersatzprozess, bei dem es darum ging, die Schadenersatzansprüche der Anlieger an der Wieslauf festzustellen.  Man hat sich auf eine sogenannte Schadloshaltung („pro indemni statione") verständigt.  Die Entschädigung erfolgte nicht in Geld, vielmehr mussten die Leute für eine bestimmte Anzahl von Monaten keine Steuer entrichten oder sie bekamen ein bestimmtes Kontingent Scheitholz von der herzoglichen Floßmeisterei Welzheim geschenkt.

Im Sommer war das Gelände des Ebnisees Wiese, Es gab keinen See.  Die sommerliche Seefläche war wichtig für die Leute im Schwäbischen Wald, denn hier wuchs besonders gutes Gras, das sie abmähten und ihr Vieh damit fütterten.  Es kamen auch Leute von Rudersberg herauf, um für ihr Vieh Heu zu holen.  Und da gibts eine schöne Geschichte, die sich eines Nachts ereignet hat.  Beteiligt waren Tobias Strohmaier und Heinrich Ottenbacher.

Es war die Nacht vor Pfingsten.  Die beiden hatten einen Teil der Wiese gepachtet.  Sie gingen über die Wiese und entdeckten zwei dunkle Gestalten, die sich am Gras zu schaffen machten.  Es gab kein Licht, es war stockdunkel, aber zuletzt bekamen sie die beiden Frauen zu fassen. Der Heinrich Ottenbacher hielt die eine fest und der Strohmaier gab der anderen eine Ohrfeige. Und dann hat der Strohmaier sie festgehalten und der Ottenbacher hat der zweiten Frau den Zopf abgeschnitten. Das Gemeindegericht von Rudersberg hat folgende Strafen verhängt:  Ottenbacher musste einen Gulden Strafe für die Ohrfeige bezahlen, nach heutiger Rechnung 1,71 DM und  für den abgeschnittenen Zopf mussten 2 Gulden, also 3,42 DM bezahlt werden.  Der Grasdiebstahl wurde vom Forstamt Schomdorf erledigt, indem das Heu eingezogen wurde.

Weiter in der Geschichte.  Wir stehen im Zeitalter der Industrialisierung im Jahr 1861 - da dampfte die erste Remstalbahn.  Die Floßstraße Wasser wurde nicht mehr gebraucht, sondern das Holz in Karren nach Schorndorf heruntergefahren und dann per Eisenbahn nach Stuttgart und Ludwigsburg transportiert.

Etwa um diese Zeit endete die Flößerei im Schwäbischen Wald. Der Wald versank wieder in der Dunkelheit der Geschichte.

1880/84 starteten die Müller an der Wieslauf eine Initiative – wir würden heute sagen, eine Bürgerinitiative. Sie erinnerten sich, dass es da oben mal einen Damm gab, und für den Betrieb ihrer Mühlen wäre ein regelmäßiger Wasserzufluss günstig. So könnte das Getreide besser gemahlen und das Holz einfacher geschnitten werden.

Deshalb wurde ab 1884 der Ebnisee wieder aufgestaut.  Und im Zuge der weiteren Jahrzehnte entwickelte sich der Tourismus im Schwäbischen Wald, besonders als 1911 der Betrieb der Wieslaufbahn aufgenommen wurde.  Ein Bericht von 1913: "Sonntagmorgen – im dunklen Wasser des Ebnisees spiegeln sich die schwarzen Tannenwälder, lichtgrüne Wiesen, kein Windhauch spielt auf dem Wasser.  Sonntagsfrieden liegt über Berg, Tal und See.  Aber nicht lange.  Drei Lokomotiven bringen langsam - sie können es kaum verschnaufen - Schritt für Schritt den endlosen Zug das Wieslauftal herauf, am Hang der tiefen Schluchten entlang über Dämme und Viadukte nach der Station Laufenmühle. Hunderte und Aberhunderte entströmen den Wagen, ein endloser, dichter Heerwurm schiebt sich das schmale Wieslaufsträßchen hinauf an den Ebnisee.  Mit Geschrei und Gejohle, mit Gitarren und anderen Lärminstrumenten verjagen sie vielfach den Waldesfrieden, sie besetzen ringsum die Seeufer, und es dauert nicht lange, so ist der See übersät mit Schwimmern beiderlei Geschlechts, mit und ohne Badeanzug, wie es gerade kommt.  Die Wiesen der Umgebung wimmeln von Gestalten in paradiesischer Aufmachung.  Die paar Kähne sind besetzt mit Männlein und Weiblein in derselben Uniform.  Ebnisee gleich Wannsee.  Armer Waldesfrieden, in welchen Winkeln hast du dich schaudernd verkrochen?"

Im August 1929 gab es ein großartiges Seefest.  Der Chronist berichtet von 10 000 Besuchern.  Viele Musikkapellen spielten am See.  Schweigen herrscht über ein Seefest der NSDAP Ortsgruppe Welzheim im August 1933.

Eine unbekannte Besucherin des Ebnisees hinterließ uns Mitte der Dreißiger Jahre ein für die damalige Zeit typisches Gedicht: "Ich kenn ein Fleckchen still verborgen.  Am blauen See, vom Wald umsäumt.  Wie schön ist's hier - und tausend Sorgen, wie schnell sind sie hinweggeträumt.  Hier lebt sich's gut nach Lärm und Hasten, bei Wassersport, im Winter Schnee.  Lasst uns an diesem Jungborn rasten, am einzig schönen Ebnisee.“

Eine wahre Freundin des Ebnisees. Der Ebnisee hatte auch kreispolitische Bedeutung. Am 12. Juni 1950 war auf der Tagesordnung des Kreisrats des Landkreises Waiblingen unter Nr. 21 die Beschlussfassung über ein Rettungsboot für den Ebnisee sowie einen Rettungsring.  Einstimmig wurde die Anschaffung beschlossen zum Preis von 450,00 DM zu Lasten des Kreishaushalts. 1951 wurde der Ebniseeverein gegründet.

Lassen Sie mich noch ein wenig von den Menschen im Schwäbischen Wald sprechen und versuchen, eine Analyse aus der Sicht des Chronisten zu vermitteln.

"Die Körperbeschaffenheit der Einwohner im Schwäbischen Wald kann, als kraftvoll bezeichnet werden.  Das männliche Geschlecht im Wald bietet nichts Auszeichnendes, bei dem weiblichen, das sich durch üppige Formen hervorhebt, ist eine größere Flüchtigkeit der Jugendreize bemerkbar. Insgesamt  sind  die Bewohner im Schwäbischen Wald grober und weniger mager als im Remstal,  die  sich durch  sonnenverbranntes  Antlitz  und  Magerkeit auszeichnen. Häufig  vorkommend  sind bei  den  Menschen  auf  der  Hochfläche  Krankheiten  des rheumatischen Wirkungskreises, was vor allem dem wechselvollen Streichen der Winde und damit den häufigen, oft überraschenden Temperaturwechseln zuzuschreiben ist. Auch ist der Bandwurm im Schwäbischen Wald nicht selten.  Die moralischen Eigenschaften und die Lebensweise der Menschen im Schwäbischen Wald werden als lustig, verschlagen, gefällig und gewandt einerseits, aber auch derb, genusssüchtig und von einem Misstrauen gegenüber den Herren von oben beschrieben.

Das liebste Getränk im Wald ist der Wein, den der rechte Bauer nicht schlecht, im Keller hat - Remstäler oder Weinsberger Wein. Der Most wird meist aus unreifem Obst und viel Wasser bereitet.  Häufig ist der Genuss von Branntwein.  Gebranntes Wasser gab und gibt dem Holzmacher schnelle Wärme im Winter, löscht mit Wasser den Durst im Sommer, ist billig und schadet bei rauer Kost weniger.  Auch das Bier ist ziemlich gut.  Insgesamt wird viel getrunken und gegessen.

In der Kochkunst sind die Leute nicht stark.  Bei Kirchweihen gibt es oft weißes Brot, mit Safran vergoldet, sogenannte Krapfen.  Zu Fleisch wird gewöhnliches Gemüse, vor allem Sauerkraut gereicht.  Eier- und Mehlspeisen, Schweine- und Kalbfleisch sind ebenfalls auf der Speisekarte zu finden. Und die Stuben sind gemütlich und werden auch bei geringer Kälte gehörig geheizt, so dass die Leute mit geringer Kleidung sitzen können, wie bei der Heuernte. "

Nun darf ich Sie zurückführen zu Adolf Walcher, dem ehemaligen Bürgermeister von Kaisersbach.  Er hat zum Beispiel die Wirkung des schwäbischen Himbeergeistes anlässlich einer Informationsfahrt mit dem damaligen Wirtschaftsminister Eberle am 9. Dezember 1974 so umschrieben: "Herr Minister, ein Schnaps aus dem Schwäbischen Wald wirkt stets problemlösend." Es ist überliefert, dass damals nach dem Genuss von mehreren Gläschen Himbeergeist der Minister Eberle sehr aufgeschlossen war für den Landeszuschuss zur Errichtung der Kläranlage am Ebnisee.

Hätten wir doch auch Zeugen sein dürfen bei den Gesprächen, die Adolf Walcher auf seinen Spaziergängen mit dem ersten Ministerpräsidenten Baden-Württembergs, Reinhold Meier, führte. Politik wurde damals im Schwäbischen Wald so gemacht, wie sie heute praktiziert gehört.  In der Form des offenen und vertrauten Dialogs.  Kaiserbach hat erst 1950 eine Wasserversorgung erhalten und 1954 elektrischen Strom.  Dies hat Adolf Walcher mit Unterstützung des Herrn Ministerpräsidenten erreicht.  Und mancher Weg der beiden führte sie in den "Löwen".

Und einer der letzten Besuche Reinhold Maiers vor seinem Tode im Jahre 1971 erfolgte geradewegs an den Kachelofen im "Löwen" auf dem Mönchhof.  Wer hier gehockt ist, weiß warum.  Man kommt kaum mehr hoch.  Vielleicht wegen des Kartoffelsalats von Frau Hoffmann, dessen Geheimnis nicht preisgegeben wird.  Einzig: Die Sämigkeit wurde durch ein paar Schöpfer Spätzlesbrühe erreicht!

Und so sind wir wieder in der Gegenwart, in einer Landschaft, die nichts Aufregendes hat, nichts Spektakuläres, die aber viel Ruhe vermittelt, die es allemal wert ist, in sie einzutauchen, um ihre Kleinode zu entdecken. Kleinode, die Sie entdecken sollten, wären die Brunnen- und die Hägelesklinge.  Daran knüpfen die letzten Anekdoten, die ich Ihnen vermitteln will.  Wenn man hineingeht in die Hägelesklinge, heraufsteigt von der Tälesstraße, dann wird es immer dunkler, der Wald immer dichter, eine Grotte öffnet sich geheimnisvoll.  Ende des letzten Jahrhunderts hat sich dort ein Mann namens Hägele versteckt.  Heute würden wir sagen, er war ein Kriegsdienstverweigerer.  Damals gab es ja noch kein Anerkennungsverfahren.  Er hat sich dem Wehrdienst entzogen durch - ein Sich-Verbergen in der Hägelesklinge.

Viel dramatischer ist aber die Geschichte des Hundes in der Hägelesklinge.  Ein Förster ging auf Jagd und verlor seinen treuen Jagdhund.  Dieser Hund wurde nie mehr gefunden.  Man fand aber viele Monate später das Skelett eines Hundes in der Hägelesklinge.  Und wer in einer Vollmondnacht in die Klinge einsteigt, wird das Skelett dieses Hundes klappernd spazierengehen sehen.

So sind die Leut hier oben im Schwäbischen Wald, die manche Geschichte über Land und Leute erzählen können.  Die Leute glauben daran, erzählen es den Kindern weiter.  Gehen auch Sie einmal in die Hägelesklinge und wagen Sie den Schritt in einer Vollmondnacht und eine Begegnung mit des Försters Hund.“

Eislaufen

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