Kirche Südansicht

Willy Baireuther (Welzheimer Zeitung)

Die evangelische Kirchengemeinde Kaisersbach feiert 2005 offiziell das 150-jährige Bestehen.

Blättern wir in alten Aufzeichnungen, vorwiegend zusammengetragen aus der Oberamtsbeschreibung Welzheim, den Blättern des Welzheimer Waldvereins und der Chronik aus den Kirchenbüchern von Welzheim.

Vor 1854 gehörte Kaisersbach zur Kirchengemeinde in Welzheim

Vor der Errichtung der Pfarrei Kaisersbach im Jahre 1854 gehörte der Mutterort Kaisersbach mit den meisten Teilorten zur Pfarrei Welzheim - einer recht alten (Kirchen-)Gemeinde, die schon 1208 ein eigenes Kirchengebäude hatte. Außerdem war Welzheim einer alten Chronik zufolge „ziemlich ausgedehnt, so dass man von ihr als einem Kirchenbezirk reden kann....“. Es muss daher hinzugefügt werden, dass in Gebenweiler und Schadberg je eine Kapelle bestand, die von je einem Kaplan versehen wurde.“ Diese Kaplane sowie der Pfarrer und der Vikar von Welzheim wohnten gemeinsam in Welzheim in einem gemeinsamen Haushalt. Dies waren die Verhältnisse bis zur Reformation, die in Welzheim am 2. September 1539 durchgeführt wurde.

Nach der Reformation verfielen die Kapellen in Schadberg und Gebenweiler, die lange Zeit als Wallfahrtskapellen gedient hatten. Die Mauersteine wurden von den Bewohnern für den Hausbau verwendet, die Glocke der Marienkapelle Gebenweiler befindet sich jetzt auf dem Kaisersbacher Kirchturm.

Der 30-jährige Krieg ließ das Volk in ganz Europa über lange, lange Zeit verarmen. Die Zahl der kirchlichen Bediensteten sank, und die Besuche des Pfarrers aus Welzheim in Kaisersbach waren nur noch sehr selten.

In dieser Situation setzten im Jahre 1798 die Bemühungen ein, in Kaisersbach eine eigene „Parochie“ (Pfarrei) einzurichten. Diese Bemühungen scheiterten an den Folgen der napoleonischen Kriege. Erst 1839 wurden die Bemühungen wieder aufgenommen. Am 24. Mai 1854 wurde festgestellt, dass die Schulgemeinde Ebni sich nicht in die Kirchengemeinde Althütte eingliedern lassen wollte. Ebni wollte zu Kaisersbach. Und mit Ebni auch 16 andere „Parzellen“, die damals schon 1 439 Seelen zählten. Womit die Kirchengemeinde Kaisersbach gegründet worden war. Das Problem: Lange Zeit blieb unklar, wer für den Bau des Kirchengebäudes zuständig sein sollte: die Kirche oder der Staat. Hier half Dekan Weitbrecht aus Welzheim dem Kaisersbacher Schultheißen Johann Georg Truckenmüller mit seinem Wissen und seinen Beziehungen. Am Ende kam heraus: Der Staat musste den Kirchenbau finanzieren.

Geld war freilich schon damals beim Staat knapp. Da wirkte ein Protestschreiben des Schulmeisters Wiedenhöfer aus Ebni Wunder: Er schilderte in einer Denkschrift an die hohe Obrigkeit geradezu dramatisch den fortschreitenden Zerfall von Sitte und Moral, der insbesondere die Kinder und Jugendliche erfasse und für immer gefährde. Das zog. Das Geld wurde angewiesen, zumindest teilweise. Zitat: „Vermöge Höchster Entschließung vom 21. v. Mts., haben Seine Königliche Majestät Höchst sich bewogen gefunden, der Gemeinde Kaisersbach zu dem Fonds für die daselbst zu erbauende Kirche einen Beitrag von Fünfhundert Gulden aus Höchst ihren Privatgeldern gnädigst zu bewilligen.“ Wobei die Kirchengemeinde bis zur Fertigstellung des Kirchenbaus für ein „Interimslocal“ zu sorgen hatte und für „einen geräumigen Gottesacker“.

So kam es zu der kuriosen Situation, dass bis zum Ende des 20. Jahrhunderts in Kaisersbach die Kirchengemeinde für den Friedhof zuständig war. Die Kirche und das Pfarrhaus dagegen, die gehören bis zum heutigen Tag dem Staat. Finanziert wurde die Kirche natürlich nicht nur aus der Spende des Königs, sondern vorwiegend aus Geldern der Staatsfinanzverwaltung, aus verschiedenen Kollekten sowie gegen heftigen Welzheimer Widerstand aus eingesparten Pfarrgehältern in der Pfarrei Welzheim. Insgesamt kostete der Bau 45 000 Gulden (= 77 000 Mark). Eine gigantische Summe seinerzeit.

Zur Einweihung der Kirche machte das ganze Dorf mit beim Festzug

Die Kirche selber wurde zwischen den Jahren 1866 und 1869 gebaut und am 8. August des Jahres 1869 feierlich eingeweiht. Es gab einen Festzug mit der hohen Geistlichkeit vornweg, den Schulkindern, den Ortsbeamten sowie dem gemeinen Volk. Zuerst die Männer, sodann die Weiber. So steht’s geschrieben. In den Jahren 2003 und 2004 wurde die Kaisersbacher Kirche repariert. Wasser war eingedrungen und hatte zu Schäden geführt. Der Staat als Eigentümer „durfte“ dafür über eine halbe Million Euro ausgeben. Demnächst muss allerdings auch die Kirchengemeinde in den Klingel- und Geldbeutel greifen: Die Orgel muss gründlich gereinigt werden. Macht über den Daumen gepeilt 14 000 Euro aus. Viel Geld für eine Gemeinde, die gerade ein Gemeindehaus baut.

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