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Der Limes auf dem Weg zum Weltkulturerbe und die Geschichte ĂŒber die Rekonstruktion des Welzheimer Ostkastells
Der Limes markierte vor rund 1800 Jahren die Grenze zwischen dem römischen Weltreich und Germanien. Er entstand im Lauf von mehr als hundert Jahren und erhielt je nach Region ganz unterschiedliche Befestigungen. Neben dem durchgehenden Wall-Graben-System errichteten die Römer im SĂŒdabschnitt (rĂ€tischer Limes) kilometerlange Steinmauern, im Nordteil (obergermanischer Limes) dagegen PalisadenzĂ€une. Die ArchĂ€ologen gehen von wenigstens 800 WachttĂŒrmen aus. Daneben gab es entlang der Grenze rund 100 Kastelle samt zivilen Siedlungen mit BĂ€dern und Kultbezirken. Ein umfangreiches architektonisches Ensemble.
Die etwa 500 Kilometer lange Grenzbefestigung war zwar militĂ€risch gesichert, aber wohl nicht dazu gedacht, gröĂere Angriffe der germanischen »Barbaren« abzuwehren. Dazu war sie zu schwach. Der Limes gilt eher als bewachte, aber fĂŒr HĂ€ndler sehr wohl durchlĂ€ssige Grenzbefestigung. Mit Sicherheit war er auch als Zeichen römischen Machtanspruchs gedacht. Die meisten Kastelle wurden zu Beginn des zweiten nachchristlichen Jahrhunderts bzw. in der Jahrhundertmitte gegrĂŒndet und bestanden bis zum Limesfall, das heiĂt dem Ende der römischen Besetzung um 260/270 n. Christi. Die genaue Funktion des Limes ist immer noch Gegenstand wissenschaftlicher Diskussionen. Heute bildet der obergermanisch-rĂ€tische Limes, der die Provinzen Obergermanien und RĂ€tien zwischen Rhein und Donau gegen die germanischen Völker abschloss und erbaut unter Domitian, Trajan und Hadrian, eines der hervorragendsten archĂ€ologischen DenkmĂ€ler Mitteleuropas. Mit insgesamt 548 Kilometern LĂ€nge gilt das einstige Befestigungswerk als das gröĂte FlĂ€chendenkmal Deutschlands und als das zweitlĂ€ngste Bodendenkmal der Welt, nach der chinesischen Mauer. Zwischen WalldĂŒrn und Welzheim verlĂ€uft die 80 Kilometer lange Strecke schnurgerade, ohne RĂŒcksicht auf BĂ€che oder Berge zieht sich die Bodenwelle hin nach Norden - eine bis heute unerklĂ€rliche Leistung römischer Ingenieurskunst.
Die neuere Geschichte des Welzheimer Ostkastells
So auch in Welzheim das Ostkastell mit Teilen der Umfassung und Rekonstruktion des Westtores in OriginalgröĂe. Mit zwei Kastellen war Welzheim einer der wichtigsten Truppenstandorte am Ă€uĂeren obergermanischen Limes. Die gesamte KastellflĂ€che bildet heute einen ArchĂ€ologischen Park, der durch den Ankauf des GelĂ€ndes durch das Land und in Ăbereinkunft mit der Stadt Welzheim bezĂŒglich des Entzugs der vorher bestandenen Nutzung (Ackerland) ermöglicht wurde.
Ein Ă€uĂerst schwieriges Unterfangen, das sich ĂŒber viele Jahre hinzog. Dies in erster Linie deshalb, weil die damals fĂŒr die Geschicke der Stadt Verantwortlichen von Niemanden mit der langen und traditionsreichen Forschungs- geschichte des Limes vertraut gemacht wurden und von der schon 1892 gegrĂŒndeten Reichslimeskommission keine Ahnung hatten. Man betrachtete das ganze »Nördliche BĂŒrgfeld« als wertvolles Bauland und die EigentĂŒmer der von dem spĂ€teren KastellgelĂ€nde betroffenen GrundstĂŒcke, wĂ€hnten sich im Besitz von BauplĂ€tzen.
In Ă€uĂerst schwierigen Verhandlungen gelang es der Stadt nach und nach diesen EigentĂŒmern auf dem Tauschweg anderes Bauland zur VerfĂŒgung zu stellen und auch beim Land VerstĂ€ndnis fĂŒr eine höhere Dotierung der fĂŒr das KastellgelĂ€nde in Ansprach zu nehmenden GrundstĂŒcke zu wecken. Dazu kam, dass es dem Land gar nicht eilte in den Besitz der GrundstĂŒcke zu kommen, weil durch das zwischenzeitlich verhĂ€ngte Bauverbot die archĂ€ologische Substanz im Boden ja besser erhalten blieb als nach ihrer Freilegung, wĂ€hrend die Stadt fĂŒr ihren Verzicht auf Bauland eine Gegenleistung, nĂ€mlich einen archĂ€ologisch auch nach auĂen hin sichtbaren Erfolg, zu sehen wĂŒnschte. Diese Entstehungsgeschichte des Welzheimer ArchĂ€ologischen Parkes ist es aus historischer Sicht wohl wert, in diesem Zusammenhang einmal festgehalten zu werden bevor sie verloren geht.
Nördlich von Welzheim liegt auch noch das in dankenswerter Weise im Rahmen eines Flurbereinigungsverfahrens komplett aus gegrabene, Kleinkastell Rötelsee und römische Funde gibt es noch im StÀdtischen Museum.
Im Laufe der Jahrhunderte ist die Zerstörung des Limes weit fortgeschritten, ob durch Ackerbau, Waldarbeit oder Bebauung. Dennoch sind die Reste des Bodendenkmals vielfĂ€ltig. Fragmente von Kastellen, Badeanlagen, WachttĂŒrmen und Grenzbefestigungen sind erhalten und viele Museen dokumentieren mit Originalfunden »römisches Leben". Zahlreiche Limesanlagen entlang der Strecke wurden aufgrund ihres guten Erhaltungszustandes in neuerer Zeit konserviert oder auch rekonstruiert. Einen besonderer Schutzcharakter (oder gar finanziellen Zuschuss) erhĂ€lt der Limes wegen der Auszeichnung allerdings nicht. Das GelĂ€nde ist mit Ausnahme einiger besonders geschĂŒtzter Abschnitte auch weiterhin nutzbar. Warum dann die ganze Anstrengung ? Das Bodendenkmal wĂŒrde sonst im Laufe der Jahre und Jahrzehnte mit seinen freigelegten Teilen verfallen, wĂ€hrend so das meiste noch im Boden schlummert und weiterhin schlummern wird und soll. Auch will die UNESCO, dass die freigelegten DenkmĂ€ler fĂŒr die Ăffentlichkeit zugĂ€nglich sind und dieser angemessen prĂ€sentiert werden. Gleichzeitig wird aber auch von der Bevölkerung erwartet, dass diese mit den Resten des römischen Befestigungssystems schonend umgeht sich desWeltkulturerbes stets bewusst ist.
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