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Hier eine kleine Geschichte, die in die Urgründe der schwäbischen Seele blicken lässt. .
Also - Friedrich Schiller hält sich in Tübingen auf. Er wohnt in diesen Tagen bei einem Bäcker namens Schlenker.
Nach einer durchzechten Nacht steht er etwas instabil vor der Haustür und kramt nach seinem Schlüssel. Vergeblich - alle Sucherei hilft nichts.
Schliesslich klopft er mehrmals lautstark gegen die Tür. Nach geraumer Zeit wird im Obergeschoss ein Fenster geöffnet. In die kohlrabenschwarze Nacht hinaus erschallt der Ruf: “Wer isch do !”
Es war der Bäcker Schlenker, der wissen wollte, was da unten los war. Schiller ruft lallend zurück: “ I bes, dr Schiller, lass me rei !” (Für Nichtschwaben: Ich bin es, der Schiller, lass mich herein). Von oben tönts zurück: “S’ isch grabbanaacht - i koa de net sea. Beweis mr, dass du dr Schiller bischt, sonscht kommsch net rei !” (Es ist dunkle Nacht - ich kann dich nicht erkennen. Beweise mir, dass du der Schiller bist, sonst lasse ich dich nicht herein).
Dr Schiller griagt schier Goisgifter. (Schiller bekommt schier einen Anfall). “Mensch, wia soll i dir den beweisa, dass i i be ?” (Mensch, wie soll ich dir denn beweisen, dass ich es bin ?”). Von oben rufts: “Ha - ganz oifach, mach mr a Gedicht.” (Ha - ganz einfach, mach mir ein Gedicht).
Schiller denkt: “I glaub, der schpennt.” (Ich glaube, der ist verrückt). Aber was bleibt ihm anderes übrig - er reisst sich zusammen und ruft nach kurzem Nachdenken folgende Worte in das dunkle Himmelszelt:
“O du grosser Weltenlenker,
steig herab zum Bäcker Schlenker,
uns sag diesem Menschenkind,
dass alle Bäcker Seggl sind !”
Der Reim war so überzeugend, dass ihm der Bäcker - zwar leise in sich hineinfluchend - die Haustür auf der Stelle öffnete.
So ischs no au wiedr.
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