nach unten
Karte des Schlittenwegs
Geschichte des Schlittenwegs

Welzheimer Zeitung vom 21.08.2009 – Willy Baireuther

Es gibt ihn noch, den Schlittenweg. Er war ein wichtiger Bestandteil des Weges, den das Holz aus dem Schwäbischen Wald ins Tal zu den Menschen in den großen Ortschaften nahm.

Am Anfang der Geschichte der Flößerei im Schwäbischen Wald stand ein herzogliches Dekret aus dem Jahre 1715. Damals erließ Herzog Eberhard Ludwig an den herzoglichen Forstmeister von Gaisberg folgendes Dekret: „In Stuttgart und Ludwigsburg würde Holz, viel mehr Holz benötigt. Im Schwäbischen Wald gebe es genügend Holz, deshalb solle dort abgeholzt werden. Und wie das Holz nach Stuttgart gebracht werde, das sei das Problem der Forstleute. Anbieten würde sich ja die Rems.“

Der Grund für den stark steigenden Holzbedarf waren die Schloss-Neubauten (Schloss Solitude, Residenzschloss Ludwigsburg, Lustschloss Favorite, Seeschloss Monrepos). Es begannen die ersten Versuche der Remsflößerei. Die Wälder rechts und links der Rems konnten diesen Bedarf auf Dauer nicht decken. Deshalb ging der Blick der herzoglichen Verwaltung hinauf in den Welzheimer Wald. Es erging unter Herzog Carl Eugen 1744 ein Dekret: „Es müsse ein Stausee errichtet werden. Ihm ginge das Holz zu langsam von den Höhen des Schwäbischen Waldes herunter.“ So beginnt die Geschichte des Ebnisees und die Geschichte der Schlittenwege im Schwäbisch-Fränkischen Wald.

Erstmals erwähnt wird der Schlittenweg vom Gschwender Pfarrer und deutschen Historiker Heinrich Prescher 1789. Im vierten Abschnitt seiner Beschreibung der Reichsgrafschaft Limpurg beschreibt er dies so: Das Hallische Bedürfnis an Holz würde auch den vorhandenen Holzvorrat lange nicht erschöpfen. Es sei daher notwendig, über den „inländischen starken Verbrauch“ hinaus auch noch andere Zweige des Holzhandels auszunützen. Eine neue „Aussicht für das Limpurgische Holz-Commerz“ eröffne der „neuangelegte Schlittenweg aus dem Schmiedelfelder Forst ins Wirtembergische“. Es seien auf diesem Schlittenweg „im Winter zwischen 1787 und 1788 erstmals mehrere hundert Klafter, theils herrschaftliches, theils kirchenräthliches Holz bis zur Floßstätte fortgeliefert“ worden.

Ein eigener Schlittenweg, der aber außer der Winterszeit gesperrt ist, ist vom Nestelberg, im Schmiedelfelder Forst an, bis zur Floßstätte bey dem Floßsee, ohnweit der Ebne, für herrschaftliches nach Stuttgard bestimmtes Holz angelegt worden. Er läuft nach der Länge eines großen Bergrückens, bald auf, bald abwärts, an die fünf Stunden Wegs oder dritthalb deutsche Meilen fort, nordwärts von Gschwend vorbey, im Steineforst, südwärts von Kirchen-Kirnberg eine ziemliche Anhöhe hinauf, und dortwärts an Kaysersbach vorbey. Unterwegs sind gewisse Stationen gemacht, wo die mit einem Pferd oder zwey Ochsen bespannten leichten, mit Holz befrachteten Schlitten, gegen leere ausgetauscht werden; die leeren gehen so von Station zu Station bis zur Ladstätte, die befrachteten aber mit stets erneuertem Vorspann bis zur Floßstätte. Aufseher haben darauf zu sehen, daß diese Mechanik nicht in Unordnung geräth.“

 

[Ortschaften] [Flüsse und Seen] [Naturpark] [Geschichte] [Sport] [Verschiedenes] [Wald] [Gästebuch] [Impressum]
nach oben