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Welzheimer Zeitung: Mai 2005 - Bericht und Foto von Rainer Stütz
Wasser aus einer Teuchel ist nicht belastet Historischer Verein zeigte bei der Heinlesmühle, wie früher Trinkwasser- leitungen aus Holz angefertigt wurden
Das Anfertigen eine Teuchel erfordert hohe handwerkliche Fähigkeiten, wie am Pfingstmontag bei der Heinlesmühle gezeigt wurde. Karl Katz (auf dem Bild rechts) und Jochen Lindauer vom Historischen Verein informierten die zahlreichen Mühlenwanderer.
Teuchelbohren ist an Pfingstmontag ein Programmpunkt von vielen beim Deutschen Mühlentag 2005 im Welzheimer Wald gewesen. Der Historische Verein zeigte bei der Heinlesmühle, wie Trinkwasserleitungen aus Holz hergestellt werden. Den ganzen Tag über sind am Pfingstmontag die Menschen in den Welzheimer Wald geströmt. Die zahlreichen Mühlen und ein attraktives Programm waren die Anziehungspunkte.
Schäden an Mensch und Vieh durch Bleileitungen Die Teuchel oder Deuchel ist ein altdeutsches Wort für eine Wasserleitung. Die Teuchel führt das Trinkwasser von der Quelle oder einem Brunnen ins Haus. Im Brunnen diente die Teuchel auch als Steigrohr. Herzog Carl von Württemberg empfahl im Jahr 1790 auf die später verwendeten Trinkwasserleitungen aus Blei zu verzichten. Es seien nämlich Schäden an Mensch und Vieh zu befürchten, vor allem wenn die Leitungen über eine längere Strecke führten. Das Problem gab es bei den kunstvoll angefertigten Leitungen aus Holz nicht.
Angefertigt wurden die Teucheln aus einer fünf Meter langen Fichtentanne, die im Herzen der Länge nach durchbohrt wurde. Dabei waren Können und Erfahrung gefragt. Die Bohrer waren jeweils drei Meter lang und wurden von beiden Seiten angesetzt, um schneller fertig zu werden.
„Die Kunst besteht in der exakten Bohrführung, damit sich die zwei Bohrer in der Mitte treffen,“ erklärte Karl Katz vom Historischen Verein am Pfingstmontag an der Heinlesmühle, der zusammen mit Jochen Lindauer die Vorführung gestaltete. Vergleichbares gilt heute noch beim Bau von Tunneln.
Um dieses schwierige Ziel zu erreichen, wird der Holzstamm auf zwei Holzböcken fest gespannt. An den Stirnseiten werden mit Hilfe einer Wasserwaage die Bohrlöcher im Herz des Stammes exakt markiert. Die Kreuze kennzeichnen den Anfang und das Ende des Lochs. Mit Nägeln und Schnur wird der Bohrer in einer speziellen Bohrführung so ausgerichtet, dass er genau von einem Kreuz zum anderen zeigt. Dann wird mit dem drei Meter langen Bohrer das Holz herausgeschält.
Solche Teucheln sind früher auch beim Brunnen im Museumshof in Welzheim verwendet worden. Im Jahr 2000 hat die Rentnergruppe des Historischen Vereins den Brunnen restauriert. Die letzte Welzheimer Adelsfamilie hat ihn 1628 ausmauern lassen. Wohl 1906, also vor rund 100 Jahren, floss wohl das letzte Mal Wasser aus dem alten Brunnen, der später unter einem Schachtdeckel verborgen war. In dieser Zeit wurde nämlich die Trinkwasserleitung nach Welzheim geführt.
Die Brunnenstube ist neun Meter tief und bestens erhalten. Der Wasserstand liegt in sechs Meter Tiefe. Das Grundwasser steht somit im Brunnenschacht drei Meter hoch. Für den Brunnen im Museumshof, der 1823 vom evangelischen Dekanat übernommen worden war, mussten drei Teucheln angefertigt werden, die fest miteinander verbunden sind. Mit einem Kolben wird das Wasser hoch gepumpt. Ventilklappen sorgen dafür, dass das hochgepumpte Wasser nicht wieder in den Brunnen zurück fließt. Der Pumpschwinghebel wurde aus Eiche gefertigt.
So gesehen haben die historischen Teucheln auch heute noch eine wichtige Funktion - ganz ohne Schadstoffbelastung.
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