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Farbig gefasste Schnitzarbeit (ca. 1510) - unbekannter Künstler, dessen Selbstbildnis eventuell über zwei Kriegsknechten zu sehen ist (mitte-links). Es handelt sich um einen Außenaltar, der von einer spätmittelalterlichen Gemeinschaft während der Amtszeit des Abtes Oswald Binder gestiftet wurde. Bei der Fronleichnamsprozession und bei Armenbeerdigungen genutzt.
Der Altar setzt sich aus einem Mittelteil und zwei Seitenflügeln zusammen. Der Mittelschrein zeigt zwei ungleiche Welten: Zur Linken der betende Christus. Über ihm der Engel mit dem Kelch und Gottvater. Der Granatapfelbaum im Hintergrund gilt als Symbol von Fruchtbarkeit und Unsterblichkeit. Die im Baum sitzenden Singvögel künden ebenso wie die am Fels kletternden Frosch, Schnecke und Eidechse vom Wiedererwachen der Natur. In der Denkweise des Mittelalters symbolisieren diese Tiere die Erneuerung des Lebens, und geben somit einen Hinweis auf die österliche Auferstehung des Gekreuzigten. Zu dieser “heilen Welt” gehören auch die im Vordergrund schlafenden Jünger Jakobus, Petrus und Johannes, die ihrem Herrn in den Garten Gethsemane gefolgt sind.
Hinter diesen drei Begleitern zeigt sich die Welt des Bösen, die wie eine Flutwelle über den Ort des Friedens hereinbricht, um letztlich am Fels, einem Symbol der christlichen Kirche, zu zerbrechen. Durch das Gartentor kommt Judas mit den Anführern einer vielköpfigen Meute, aus deren Gesichtern eine diabolische Zerstörungswut spricht, die durch die im Hintergrund abgebildeten Spieße, Lanzen und Totschläger hervorgehoben wird. Eine einzige Fackel ist dabei, um die Nacht zu erleuchten.
Der Henkers- und Scharfrichtersknecht rechts von Judas hat Beil und Strick dabei, er gilt als unehrenhaft, deshalb muß er mit je einem Bein barfuß und gestiefelt gehen. Judas trägt stolz seinen Geldsack mit den 30 Silberlingen.
Aber auch ins “heile Welt” Bild hat sich das Böse eingeschlichen: ein unter dem Granatapfelbaum über den Gartenzaun steigender böser Bube erscheint zwischen dem betendenden Christus und dem Engel. Er will sich zwischen beide zwängen und deren Zwiesprache stören. Dieser Einzelgänger, abgesetzt von der Häscherschar, gibt sich durch seine Klauen als Beelzebub, als satanischer Mithelfer, zu erkennen.
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