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Mitteilungsblatt der Gemeinde Kaisersbach - Nummer 45 vom 3. November 2004
Vom Wasserturm Mönchhof, der nur 10 Jahre ein Wasserspeicher sein durfte!
Dumm gelaufen, oder vielleicht waren die tüchtigen Mönchhofer einfach nur in den Jahren 1946 bis 1948 ihrer Zeit weit voraus. Wohl das erstere ist der Fall, obwohl wir heute kaum noch nachvollziehen können, weshalb die eigene Wasserversorgung im Teilort Mönchhof nach nur 10 Jahren Betriebszeit abrupt endete und seither der Wasserturm samt Pumpwerk und Sammelbehälter trocken stehen. Natürlich müssen die findigen Mönchhofer nicht auf das Trinkwasser verzichten. Seit Mitte 1958 kommt es via einer Leitung direkt über Ziegelhütte und Täle in den Ort. Dass der Teilort Mönchhof gleich nach dem 2. Weltkrieg keine zentrale Wasserversorgung hatte, war nichts ungewöhnliches in Kaisersbach. Außer dem Teilort Ebni mit Heppichgehren und Kaltenbronnhof war überall Wasserschleppen entweder vom eigenen Brunnen oder von Gemeinschaftsbrunnen angesagt. Vor allem die Bewohner des Hauptortes aber auch die Bewohner in den Teilorten litten unter diesem Mangel oft sehr stark. Und trinken konnte man das Wasser wegen der nicht gerade guten Qualität auch nicht unbedingt.
Ausgangspunkt für eine Wasserversorgung in Mönchhof mit besagtem Wasserturm war das überaus trockene Jahr 1947. Gerade in diesem extremen Trockenjahr saßen alle, die nicht in der glücklichen Lage waren, an eine zentrale öffentliche Versorgung angeschlossen zu sein, auf dem Trockenen. Die Mönchhofer packten die Sache damals im Jahre 1947 gleich an. Die anderen, so vor allem die Gemeinde Kaisersbach, die noch von Welzheim verwaltet wurde, waren noch am überlegen, was man denn macht. Wie gesagt: nicht so die Mönchhofer. Die schritten zur Tat und beauftragten den renommierten Stuttgarter Wasserbau-Ingenieur Karl Becker mit der Planung einer Wasserversorgungsanlage. Zuerst wurde das Ortsnetz gegraben und Rohre verlegt, dann der Wasserturm durch die Fa. Baresel gebaut und gleichzeitig baute man die vorhandenen Quellen aus und errichtete östlich vom Ort ein Pumpwerk mit Sammelbehälter. Also alles, was man so für eine zentrale Versorgung mit Trinkwasser braucht. Aber man rief nicht nach der Gemeinde, sondern baute und finanzierte dieses für den kleinen Teilort gigantische Bauvorhaben selbst und alle griffen zu Pickel und Schaufel. 1948 war es dann soweit, das Trinkwasser kam via Leitung in jedes Haus und alle Mönchhofer schienen glücklich und zufrieden zu sein. Nur hatte das Wasser einen kleinen Schönheitsfehler: Es war leider nicht sauber oder gar keimfrei. Möglicherweise gab es im Bereich der Quellen eine Rutschung oder eine sonstige Bodenveränderung. Jedenfalls klagte man von Anfang an über die Wasserqualität. Regnete es stark, war das Trinkwasser stark verunreinigt. Die Freude über die eigene Wasserversorgung war also heftig getrübt.
Und dabei hat man wirklich einen schönen Turm gebaut, den man ja heute noch sieht und viele ihn nicht missen wollen. Karl Becker, der Erbauer, schrieb 1947 ins Planheft: „Der Wasserturm soll als sog. Standrohrbehälter ausgeführt werden und wird einen nutzbaren Wasserinhalt von rd. 57 Kubikmeter haben. Er wird als kreisrunder Zylinder in Stahlbetonbauweise geplant und bis zur Sockelhöhe mit Stampfbeton umkleidet und von da ab bis zur Behälterdecke zum Schutz gegen Temperatureinflüsse mit einem 25 cm starken Isoliermauerwerk aus Backsteinen ummantelt. Zwischen Stahlbetonwand und Backsteinmantel verbleibt ein Luftraum von 12 cm Breite. Als Abdeckung ist ein achteckiges Turmdach auf solider Holzkonstruktion vorgesehen, das mit naturroten Biberschwänzen doppelt gedeckt werden soll. Der Aufstieg zum Dachraum erfolgt über eine eiserne Leiter, die an der Turmwand angebracht wird und bis zu einer Dachgaupe hinaufführt."
Also in der Tat ein recht solides Stück Baukunst aus den Nachkriegsjahren, das aber jetzt unter Wind und Wetter leidet. Da nützt es auch wenig, dass man ein 1,5 m tiefes Fundament erstellte. Der Turmschaft war rd. 10,50 m hoch und vollständig mit Wasser gefüllt. Samt dem Turmdach misst das Bauwerk stolze 15,30 m und ist weithin sichtbar. Der Aussendurchmesser des Turmes beträgt 3,48 m. Ein für die damalige Zeit sehr gelungenes, aber heute leider überflüssiges Bauwerk. Gekostet hat die gesamte Wasserversorgung, bestehend aus besagtem Turm, dem Pumpwerk mit Sammelbehälter (20 Kubikmeter) und der Ortswasserleitung so rd. 67.000 Mark.
Allerdings ist dieser Betrag nicht bestätigt, aber wenn dem so wäre, wovon man ausgehen kann, war das schon ein sehr stolzer Betrag. Wobei heute nur noch die wirklich solide Ortswasserleitung samt den Hausanschlüssen genutzt werden. Der Rest steht trocken und verfällt zusehends. Die Pumpstation samt Wasserbehälter sind fast nicht mehr sichtbar, die Pumpleitung zum Turm ist außer Betrieb. Das Wasser der Quellen läuft ungenutzt in den dortigen Feuerlöschteich und dann in den Wald.
1958 kam dann das schnelle Ende des Mönchhofer Wasserturmes. Denn der Zweckverband Wasserversorgung Menzlesmühle baute im Auftrag der Gemeinde Kaisersbach flugs eine Leitung von Kaisersbach über Ziegelhütte und Täle nach Mönchhof. Jetzt erhalten die Mönchhofer ihr Wasser direkt vom Wasserturm in Kaisersbach. Leider baute man 1957/58 die Leitung aus Richtung Kaisersbach nicht so solide wie die Mönchhofer damals ihre Leitungen im Ort. Denn 2002/2003 musste man diese Leitung bereits fast komplett erneuern. Vermutlich war die sog. Nachkriegsware, die man damals für die Zuleitung von Kaisersbach verwendet hat, nicht so robust wie das 10 Jahre vorher verwendete Rohrmaterial. Die tatkräftigen Mönchhofer hatten da wohl 1947 für ihre Leitungen bessere Rohre erwischt. Wenn wir so wenige Rohrbrüche wie in Mönchhof hätten, wäre unser Wassermeister (fast) wunschlos glücklich. Aber das nur am Rande.
Das war nun die Geschichte vom trockenen Wasserturm in Mönchhof, der einmal mit viel Elan und recht solide gebaut wurde. Jetzt hat die Gemeinde Kaisersbach einen Turm, mit dem sie nicht so recht weiß, was sie mit ihm in den nächsten Jahren anfangen soll. Denn so langsam lockern sich wieder die schönen Biberschwänze auf dem aufwändig gezimmerten Turmdach und dem pfiffigen Dachladen. Und wenn Gefahren von einem Bauwerk drohen, muss man handeln. Ob das Abriss bedeutet, das werden wir dann seinerzeit entscheiden. Freuen wir uns halt noch eine Weile an dem (leeren) Wasserturm in Mönchhof und wundern uns über die wirklich kurze Betriebsdauer einer damals guten Anlage.
Ihre Gemeindeverwaltung Kaisersbach
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